1980er-Jahre: Tödlicher Terror

Zu Beginn der 1980er-Jahre wurde Migration zu einem zentralen gesellschaftspolitischen Thema in der Bundesrepublik Deutschland. Bereits bei der Bundestagswahl 1980 hatten sich mehrere Parteien im Wahlkampf dafür starkgemacht, einen weiteren Zuzug von „Ausländern“ zu verhindern. Parallel nahm die rassistische Gewalt enorm zu.

In Hamburg töteten die rechtsterroristischen Deutschen Aktionsgruppen 1980 Nguyễn Ngọc Châu and Đỗ Anh Lân durch einen Brandanschlag. Rechte Skinheads und organisierte Neonazis griffen mit großer Brutalität Migrant*innen, Linke und queere Menschen an. Mindestens vier weitere Menschen starben: Ramazan Avcı, Mehmet Kaymakcı, Rudi M. und Adrian Maleika. Die Übergriffe fanden oft auf offener Straße, im Bus, in der Kneipe oder in Jugendzentren statt, sodass sie als ständige Bedrohung den Alltag vieler Betroffener bestimmten.

Um sich gegen rassistische Angriffe und gesellschaftlichen und institutionellen Rassismus zu wehren, organisierten sich Migrant*innen u.a. in Vereinen, Arbeitskreisen und Jugendgangs. Ziel der rechten Angriffe waren auch linke Zentren wie die besetzten Häuser in der Hafenstraße. Obwohl die politische Motivation vieler Gewalttaten offensichtlich war und sich etliche Täter*innen offen als Neonazis bekannten, wurden die Taten vor Gericht, von der Polizei und von Politiker*innen häufig entpolitisiert. Viele Taten blieben für die Täter*innen ohne Folgen. Sofern es überhaupt zu Strafprozessen kam, fielen die Urteile meist vergleichsweise mild aus.